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Das koordinative Anforderungsprofil und Koordinationstraining

Koordination und Koordinationstraining werden gemeinhin unter 7 Fähigkeiten zusammengefasst:

Mehr Informationen und Beispiele zu den Bestandteilen der Koordination findest du hier.

Es steht aber weit mehr dahinter, weshalb Neumaier diese Theorie noch weiter ausgebaut hat. Neumaier hat festgestellt, dass die Ausbildung der Koordination noch von weiteren Faktoren beeinflusst wird, die er in Informationsanforderungen und Druckbedingungen untergliedert.

An die Bewegungen des Körpers werden koordinative Anforderungen gestellt, die verschiedenen Umwelteinflüssen ausgesetzt ist.Er ergänzt das koordinative Anforderungsprofil für das Koordinationstraining um zwei weitere Bestandteile:

Auf der einen Seite sind die Druckbedingungen (5 Stück), die durch die Informationsanforderungen (5 Stück) ergänzt werden.

Die Informationsanforderungen, welche die Koordination und die Ausbildung derer noch weiter beeinflussen sind:

Hinzu kommt die Gleichgewichtsanforderung, die eine übergeordnete Stellung Inne hat. Die Gleichgewichtskontrolle ist von grundlegender Bedeutung für die Bewegungskoordination. die koordinativen Informationsanforderungen sind ungleich schwerer, je mehr der Körper aus dem Gleichgewicht ist.

Die Druckbedingungen die im Kontext einer Bewegung stehen können sind Neun an der Zahl:

  • P – Präzisionsdruck
  • Z – Zeitdruck
  • K1 – Komplexitätsdruck
  • K2 – Komplexitätsdruck
  • K3 – Komplexitätsdruck
  • S1 ‐ Situationsdruck
  • S2 ‐ Situationsdruck
  • B1 ‐ Physischer Belastungsdruck
  • B2 ‐ Psychischer Belastungsdruck

Das hat für die Trainingslehre natürlich einen erheblichen Vorteil: Es werden so nämlich zu den „Bezeichnungen“ der sieben Koordinationseinheiten direkt Methoden und Möglichkeiten ersichtlich, wie du die Grundfertigkeiten trainieren und intensivieren kannst.

Setzt du dir zum Beispiel das Ziel zum Beispiel deine Orientierungsfähigkeit zu trainieren, kannst du diese beliebig mit den fünf Druckbedingungen und Informationsanforderungen auf ein neues Level heben.

Ziel: Orientierungsfähigkeit verbessern

Methode: Orientierungsfähigkeitsübung + Druckbedingungung + Informationsanforderung = Verbesserung

Konkret: Eine Rolle ausführen ( Orientierung im Raum + Vestibulärsinn verbessern)

Hinzu kommt nun das Entscheidungstraining mit Hilfe von Druckbedingung (K1 und Informationsanforderung (optisch)

  • Bei 1 Pfiff nach rechts zum blauen Hütchen. Währenddessen soll ein Ball geprellt werden.
  • Bei 2 Pfiffen nach links zum roten Hütchen. Währenddessen soll der Ball gerollt werden.

Was bedeutet das? Aus sieben einfachen Grundübungen kann eine schier endlose Anzahl generiert und kombiniert werden. Kein Training ist wie das vorherige, was den Lernprozess fördert. Durch die neuen Anforderungen entstehen neue neuronale Querverbindungen im Gehirn. Da sich alle Koordinationselemente untereinander positiv beeinflussen, verbessert sich das Koordinationstraining und der Erfolg erheblich.

Hier findest du einen kleinen Rechner, der dir in etwa angibt, wie viele zusätzliche Elemente du zielführend integrieren kannst. Es ist wichtig, dass du das koordinative Anforderungsprofil so gestaltest, dass die Übung fordert und auch gemeistert werden kann.

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Koordinationstraining ohne Geräte

Es muss nicht immer das Fitnessstudio sein – das Koordinationstraining ohne Geräte kann auch bequem und schnell zu Hause erledigt werden.

Das gute an Koordinationstraining ist, dass sich aus einer Ausgangsübung tausende Variationen erzeugen lassen. Der Vorbelastung, Nachbelastung, Belastung während der Übung schließen sich nochmal zahlreiche Variationen an.

Koordinationstraining balancieren beim Spaziergang
Koordinationstraining soll Spaß machen und lässt sich mit ein bisschen Kreativität beim Spaziergang ausführen.

Als Übungsmaterial können viele Gegenstände aus dem Alltag zweckentfremdet werden:

Tennisbälle, Luftballons, PET-Flaschen, Besenstiele, Handtücher, Yogamatten, Schlafmasken oder Haarkamm – mit Phantasie werden daraus auch Geräte.

Koordinationstraining ohne Geräte: Es wird niemals langweilig

Naheliegend ist zunächst die Schulung des Gleichgewichts. Das ist eine der wenigen Bereiche für Koordinationstraining ohne Material.  Zunächst reicht sich auf ein Bein zu stellen und das andere Bein anzuheben.

Allein aus dieser Grundübung lassen sich viele weitere Übungen erzeugen.

  • Augen schließen
  • Kopf nach hinten mit geschlossenen Augen
  • Partner bitten einen dabei leicht von der Seite zu berühren
  • Mit dem anderen Bein Buchstaben, Zahlen oder Telefonnummern in die Luft malen
  • Parallel einen Ball prellen

Die Reaktionsfähigkeit kann am besten mit einem Partner trainiert werden:

Der Partner hält einen Stab ( Besenstiel oder ähnliches) vor dir in die Luft. Diesen lässt er unvermittelt los. Du versuchst den Stab mit einer Hand zu fangen.

An Hand der Höhe an der du den Stab zu fassen bekommen hast, siehst du auch, wie schnell du reagiert hast. Auch eine gute Idee: Es lohnt sich die Stelle zu markieren, um Fortschritte zu sehen. Das motiviert zusätzlich.

Steigern lässt sich die Übung mit:

  • einer veränderten Handposition (z.B. hinter dem Rücken oder Kopf)
  • einer veränderten Körperstellung ( mit dem Rücken zum Partner, umdrehen auf Signal)
  • Rechenaufgaben/ Quizfragen während des Fangens
  • geschlossene Augen – Reaktion auf Berührung oder akustische Signale

Auch bei der Kopplungsfähigkeit ist ein Partner vorteilhaft:

Dieser stellt sich dir gegenüber auf und hat zwei kleine Bälle in der Hand, die gefangen werden soll.

Steigern lässt sich die Übung mit:

  • Ändern der Handposition
    • versetzt oder über Kreuz
  • Zeitpunkt des Loslassens der Bälle
  • Parallel auf einem Bein balancieren / unebene Fläche
  • Zusatzhandlung wie zurückpassen des Balls
Bewegung zum Rhythmus beim Koordinationstraining
Bewegen zum Takt

Die Rhythmisierungsfähigkeit kann durch Rhythmusvorgaben jeder Art trainiert werden. Denkbar sind Bewegungen zum Takt der Radiomusik oder des Partners.  Noch komplexer wird es, wenn noch mehr Einflüsse gedanklich aussortiert werden  um sich auf den eigenen Rhythmus zu konzentrieren.

Die Orientierungsfähigkeit lässt sich meiner Meinung nach am Besten durch Sport trainieren – Grundelemente sind hierfür oft Drehungen und Rad schlagen als Vorbelastung in Kombination mit einem weiteren koordinativen Aspekt.

Egal ob nun zu Hause oder in der Halle oder Draußen an der frischen Lust – Koordinationstraining ohne Geräte ist überall schnell umsetzbar. Meiner Meinung nach ist der Vorteil am Koordinationstraining ohne Hilfsmittel, dass du  es  zwischendurch zu Hause umsetzten kannst .

Sei es einbeinig Zähne putzen und das Gleichgewicht halten oder kleine Minispiele mit dem Partner, die Spaß machen können.

Womit machst du zu Hause Koordinationsübungen ohne Geräte?